„KLICK“: Zaubern sie sich das Hundeverhalten, das Sie sich wünschen.

Wissen Sie, was ein „Markersignal“ bzw. „Klicker“ ist? Nein?

ClickerIvyMarkersignale werden bereits seit Jahrzehnten im Tiertraining sehr erfolgreich eingesetzt. Nicht nur bei Hunden, sondern auch z.B. bei Meeressäugern, Pferden, Raubkatzen, Vögeln und Haustieren.  Bekannt wurde diese Art des Tiertrainings durch Karen Pryor, eine Trainerin und Verhaltensbiologin, die auch Literatur zu diesem Thema veröffentlicht hat.

Das Markersignal macht den Umgang mit dem Hund so viel einfacher. Denn der Hund spricht eine andere Sprache als wir. Mit dem Markersignal schaffen wir eine unheimlich wirksame Verständigungsbrücke, die vom Hund gerne angenommen wird. Es sagt dem Hund: „Das was Du jetzt gerade in dieser Sekunde machst, ist genau das, was ich von Dir will!“  und verspricht ihm gleichzeitig, dass gleich eine Belohnung kommt. An diesem Punkt der Erklärung höre ich oft: Ach ja … doch. So etwas habe ich auch. Ich lobe meinen Hund immer mit „gut“, „fein gemacht“, „spitze“. …
Lob ist gut, aber etwas anderes als ein Markersignal. Den Unterschied zu verstehen ist wesentlich. Deshalb hole ich jetzt mal aus….

Was ist Lob?
Lob ist wunderbar. Loben Sie ihren Hund weiterhin und möglichst viel ;-). Beim Lob schwingen Emotionen mit. Ein Lob wird je nach Stimmung mal laut, mal leise ausgesprochen, je nach Typ bei völliger Begeisterung manchmal sogar gesungen oder gequietscht 😉 . Die meisten Menschen benutzten abwechselnd Worte wie  „toll“,  „klasse“ oder  „super“.  Lob trifft somit zeitlich  nicht immer exakt den Zeitpunkt, in dem der Hund das gewünschte Verhalten zeigt und dauert oft darüber hinaus. Zuzuordnen, was genau nun der Mensch lobt, ist für den Hund nicht immer eindeutig.  Lob schafft meist eine gute Stimmung bei Hund und Mensch. Ein Markersignal kann aber noch mehr…

Was ist ein Markersignal?
Ein Markersignal soll genau die Sekunde markieren, in der der Hund eine gewünschte Handlung ausführt. Es soll ihm sagen, was genau er richtig gemacht hat. Man kann sich das vorstellen, wie beim Fotografieren: KLICK – und genau dieser Moment wird festgehalten. Das Markersignal schafft Klarheit beim Hund und gibt ihm ein Versprechen auf Belohnung, für die wir uns nun ein paar Sekunden mehr Zeit lassen können, wenn wir es gut aufgebaut haben. Und trotz dieser Verzögerung lernt der Hund, welches Verhalten wir zukünftig wieder von ihm sehen wollen.
Damit das Markersignal für den Hund die von uns gewünschte Bedeutung bekommt, muss man als Mensch etwas strukturierte Vorarbeit leisten. Denn erst durch klassische Konditionierung bekommt es die Bedeutung, die uns als Kommunikationsbrücke hilft.

Was ist das nun schon wieder … „klassische Konditionierung“?
„Klassische Konditionierung“ ist ein begriff aus der Lerntheorie, die einfachste Form des Lernens.  Geprägt hat ihn der russische Mediziner und Verhaltensforscher Pawlow. (Wissenschaftlich interessierte Menschen finden ausführliche Informationen darüber auf Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Klassische_Konditionierung )

Für das Training des Markersignals müssen wir jedoch nicht Pawlow´s Veröffentlichungen studieren. Für unser Ziel ist wichtig zu wissen: ein bisher für den Hund unbedeutendes Wort oder Geräusch soll eine Erwartungshaltung auf Belohnung bei ihm auslösen. Sein Gehirn soll das Markersignal mit dieser Erwartung automatisch verknüpfen. Damit wir das schaffen, nutzen wir die Pawlow´sche Vorgehensweise:
1. Schritt: Wir wählen ein möglichst kurzes, möglichst immer gleich klingendes Wort (z.B. „Top“, „Jep“, „Klick“). Oder man verwendet einen sogenannten „Klicker“ aus dem Tierfachhandel
2. Schritt: Wir suchen uns eine ablenkungsarme Umgebung und bieten dem Hund innerhalb 1-2 Sekunden einige Male direkt nach dem gewählten Markersignal sehr leckeres Futter. „Gratis“ sozusagen.  KLICK-Futter… KLICK-Futter … KLICK- FUTTER. Dabei ist wichtig, einige Feinheiten zu beachten: die Reihenfolge… erst das Signal, dann das Futter! Das Futter wird vorher nicht gezeigt, sondern erst nach dem Markersignal aus einer Dose oder Schale genommen.
3. Schritt: Dies wiederholen wir so oft, bis der Hund in Erwartung der Belohnung zu uns schaut…und vielleicht noch ein paar mal mehr … bis wir ganz sicher sind, dass er den Zusammenhang verstanden hat.

Das Klickgeräusch ist nun fest im Hundeköpfchen mit der erwarteten Futterbelohnung verknüpft – es wurde konditioniert. Jetzt startet der Transfer in den Alltag. Man wendet das Markersignal erst bei sehr einfachen, bereits bekannten Übungen an. (z.B. wenn der Hundepo den Boden berührt: KLICK) Klappt das gut, kann neues Verhalten markiert und die Belohnung variiert werden.

Üben muss hier nicht nur der Hund. Auch der Mensch. Denn ein exaktes Timing ist wesentlich für den erfolgreichen Einsatz des Markersignals.  ( … immer an das Klicken des Kameraauslösers zum exakten Zeitpunkt denken….! )

Gut daran ist: je häufiger wir das Markersignal verwenden, desto stärker wird es. Es entsteht ein „Trampelpfad“ im Gehirn des Hundes, der zu einer sehr starken, automatisch ablaufenden Verbindung zwischen dem Wort/Geräusch und der erwarteten Belohnung wird. Und dem Hund ganz nebenbei ein gutes Gefühl beschert.

Mehr Information zum Aufbau des Markesignals finden Sie z.B. auf den Seiten von markertraining.de : „… und es hat Click gemacht.“

Kann man die Belohnung irgendwann weglassen?
Nein. Nach Ertönen des Markersignals muss der Hund IMMER spätestens ein paar Sekunden danach belohnt werden.
Belohnung muss nicht immer Futter sein. Belohnung ist alles, was der Hund gerade gerne hätte. Es liegt im Wesen der Sache: Belohnung ist nur, was der zu Belohnende als solche empfindet. Investieren Sie deshalb an dieser Stelle etwas Kopfarbeit: Was macht Ihrem Hund genau in dieser Situation Spaß – Leberwurst schlecken, Möhren knabbern, ein rollendes Futterstück jagen, Wasser trinken, ein Zerrspiel, sich in einer Pfütze wälzen, einem anderen Hund „Hallo sagen“ (natürlich nur nach Absprache!), etc.  Die Qualität der Belohnung ist wichtig für den Trainingserfolg.
(Buchtipp: Viviane Theby: Verstärker Verstehen)

 

Und nun? Was mache ich nun mit dem konditionierten Markersignal?
Ich verwende das Markersignal wie ein „Zauberwort“ und fange das Verhalten meines Hundes ein, das mir gefällt:

Der Hund setzt sich zufällig? – KLICK
Er wird dieses Verhalten nach der Belohnung wieder zeigen. Sagen Sie das Signal „Sitz“, wenn Sie 100 Euro verwetten würden, dass er sich jetzt gleich setzt. Wiederholen sie das einige Male und Ihr Hund lernt, dass er sich nach dem Signal „Sitz“ setzen soll. Auf diese Art können sie jedes Verhalten Ihres Hundes „einfangen“ und mit einem Signal verknüpfen. (z.B. Platz, Hier, Rolle, auf die Decke gehen.)

Zieht der Hund an der Leine? – Es gibt sicher einen Moment beim Losgehen, in dem er noch nicht zieht – KLICK
Er will eigentlich lieber an einer interessanten Stelle schnüffeln, als mit Ihnen weiter zu gehen? Lassen sie ihn doch zur Belohnung für ein Stückchen an der lockeren Leine dort hin.

Der Hund sitzt vor Ihrer Pizza und wartet auf den geeigneten Moment, sich zu bedienen? – KLICK. Er sitzt ja noch brav. Und er hat Hunger. Geben sie ihm Futter zur Belohnung!

Und wenn der Hund etwas macht, das ich nicht will? Auch da hilft emotional positives Training mit dem Markersignal. Dazu aber mehr im nächsten Artikel der Tehmenreihe „Happy Rosenheim Dogs“:
Grenzen setzen. Oder: Überwindung der Grenzen in unserem Kopf?

Bis dahin: fröhliches Markern! 🙂

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