Den Hundespaziergang gestalten

Jetzt geht sie wieder los, die Brut- und Setzzeit. Gerade in den Monaten März bis Juni ist es wichtig, dass der Hund in Wildgebieten auf dem Weg bleibt, Kontakt zum Menschen hält und zuverlässig abrufbar ist. Selbst ein jagdlich nicht besonders interessierter Hund, kann das Leben des Wildnachwuchses gefährden. Dass der Hund ‚in seine Hundewelt abtaucht‘ und all den spannenden Gerüchen da draußen nachgeht, sollte nicht in unserem Sinne sein. Damit unsere Spaziergänge einigermaßen entspannt sind, brauchen wir eine ansprechbaren Hund, der bei all den Reizen noch ein bisschen Aufmerksamkeit für seinen Menschen übrig hat.

Wie bekomme ich das hin?
Indem ich mich beim Spazierengehen mit ihm beschäftige, mit ihm als Team nach draußen gehe. Es sollte für ihn normal sein, dass wir ‚gemeinsame Sache‘ machen. Dem entsprechend sehe unsere Spaziergänge als gemeinsame Qualitätszeit und gestalte sie, anstatt es dem Zufall zu überlassen, was meinem Hund einfällt.

Wie unser Spaziergang aussieht, ist abhängig von unserer Tagesform als Team (also die des Hundes und auch meine!) und davon, was wir an diesem Tag bereits für Erlebnisse hatten. Die folgenden Sequenzen sind jedoch fast immer Bestandteil unserer „Draußen-Zeit“- In unterschiedlicher und sinnvoller Dosierung. Wir haben uns dafür teilweise feste Orte ausgesucht. Der Hund weiß dann bereits vor der verbalen Ankündigung, was jetzt gleich kommt:
– gemeinsame Spiele (inkl. „Rauf- und Runterfahren“)
– ein bisschen Training (z.B. Rückruf, auf dem Weg bleiben, Distanzsignale)
– Pausen für Hund und Mensch, in denen keine Interaktion stattfindet, in denen jeder ’sein Ding machen kann’ (natürlich ohne dass der Hund andere gefährdet oder belästigt) Wir nennen das „Time Out“.
– Entspannungspausen, in denen auch Entspannungstechniken zum Einsatz kommen.

Aktivität und Entspannung – beides gehört für mich in einem guten Verhältnis zu einem gelungenen Spaziergang dazu. Wie lange und intensiv die einzelnen Sequenzen sind, dafür gibt es kein Rezept. Jeder Hund ist anders. Jeder Mensch auch. Und jeder Tag. Wenn mein Hund durch viele Reize bereits recht aufgeregt ist (z.B. durch unschöne Hundebegegnungen, Wildgerüche, Lärm), gestalte ich den restlichen Tag möglichst reizarm. Denn jede Situation, in der der Hund mit einem starken Reiz konfrontiert ist, füllt sein Stressfass. Vor allem dann, wenn er noch keine gute Bewältigungsstrategie für die jeweilige Situation gelernt hat. Seine Fähigkeit ruhig zu bleiben, lässt ohne ausreichende Erholungsphase bei jeden Reiz nach. Beim x-ten mal „knallt es dann“ womöglich. Das sind dann die typische Situationen in denen sich der Mensch manchmal wundert – „was ist denn jetzt plötzlich los… ?“

Mit meinem leicht erregbaren, jagdlich interessierten Hund habe ich unter Anleitung meiner Hundeschule sinnvolle Übungen aufgebaut, die dem Hund ermöglichen, seine natürlichen Neigungen an nicht lebenden Objekten auszuleben. Gleichzeitig sind diese „Jagdspielchen“ eine wunderbare bedürfnisorientierte Belohnung, die man (wenn man sie mit durch ein Signal benannt hat) perfekt dafür geeignet sind, um erwünschtes Verhalten des Hundes zu belohnen, z.B. ihn dafür zu bestätigen, dass er sich trotz einer interessanten Spur dafür entscheidet, mit mir zu kommen.

Ich habe einen Teil unseres Spazierganges mal mit der Kamera festgehalten. Das Filmchen zeigt – gekürzt auf 6 Minuten – die Sequenzen unseres Spaziergangs, in denen wir einige dieser für unser Training sinnvollen Jagdspielchen machen (Lauern, Kegeln, Rückspursuche, Dummy jagen). Wir haben auch das „auf dem Weg bleiben“ mit positiven Trainingsansätzen aufgebaut und arbeiten noch am zuverlässigen Rückruf. Zuverlässig heißt für mich, dass der Hund auch bei sehr hoher Reizlage (bei uns: Wildsichtung und frischen Wildspuren) abrufbar ist. Solange das nicht klappt, betreiben wir „Management“. Das heißt: die Schleppleine bleibt in wildreichen Gebieten einfach dran.