Halsband oder Geschirr? Keine Frage der Philosophie.

Sondern eine Frage der Gesundheit.
Denn Rucken am Halsband kann der Gesundheit des Hundes erheblich schaden. Dabei ist egal, ob der Leinenruck aktiv durch den Menschen (als Strafe oder „Korrektur“) durchgeführt wird, oder ob der Hund von sich aus in die Leine rennt.

Bei Verwendung einer langen Leine/ Schleppleine oder am Fahrrad ist ein Halsband absolut tabu, da das Verletzungsrisko viel zu hoch ist.

Am Halsband zu rucken ist aus meiner Sicht tabu, wenn mir die Gesundheit meines Hundes wichtig ist – egal ob dies aktiv oder passiv geschieht. Deshalb bin ich der Meinung: wenn auch nur die Möglichkeit besteht, dass Hund – aus welchem Grund auch immer – mit Schwung ins Leinenende rennt gibt es für mich keine andere Antwort auf diese Frage als: Geschirr. Weshalb, das wird in diesem Artikel auf hey-fiffy.com von Hundetrainerin Daniela Maletzki gut erklärt: „Der Leinenruck aus physiotherapeutischer Sicht„.

Zu glauben, dass der Hund „irgendwann aufhört, an der Leine zu ziehen wenn es für ihn unangenehm ist“, ist falsch gedacht. Dies wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geschehen, da der so genannte „Oppositionsreflex“ eintritt (dieser und andere Gründe, weshalb Hunde an der Leine ziehen sind auf Markertraining.de gut beschrieben: „Einsicht ist der erste Schritt zur lockeren Leine“ ). Um eine zuverlässige Leinenführigkeit des Hundes zu erreichen hilft also nur eines: gutes Training. Das sollte übrigens auch das Mittel der Wahl bei anderem „unerwünschten Verhalten“ sein. An der Leine zu rucken, um den Hund zu „korrigieren“ ist nicht nur unfair, sondern meistens auch wenig zielführend. Es kann das Problem sogar verschlimmern, wie ich leider selbst mit meiner Hündin vor vielen Jahren erlebt habe. Negative Auswirkungen dieser Art „Hundeerziehung“ (d.h. Korrektur von „Fehlverhalten“, Strafe) sind teilweise heute nach mehr als zehn Jahren noch spürbar.

Wir Menschen müssen dem Hund auf möglichst faire Art beibringen, dass es sich für ihn lohnt, an lockerer Leine zu gehen bzw. sich in unserem Sinne zu verhalten. Denn für den Hund ist eine Leine erstmal absolut nicht natürlich und bedeutet (je nach Länge) meist eine erhebliche Einschränkung seines individuellen Bewegungsrhythmus und Erkundungsverhaltens.

In einer positiv und bedürfnisorientiert arbeitenden Hundeschule kann man lernen, wie man dem Hund das Gehen an lockerer Leine gut vermittelt. Mit „gut“ meine ich: mit fairem Training, das allen Beteiligten Spaß macht. Theoretisch ist das sehr simpel: der Hund wird für das Gehen an lockerer Leine belohnt. Er sollte beim Training gar nicht erst in die Situation kommen, in das Leinenende zu rennen. Wenn das doch geschieht, war der Mensch am anderen Ende zu wenig aufmerksam oder zu langsam. Die Vorgehensweise der Wahl heißt: Lernen über positive Verstärkung und funktioniert in etwa so: ich gebe meinem Hund eine Belohnung, wenn er das gewünschte Verhalten (z.B. an lockerer Leine gehen) zeigt. Dadurch, dass sich das lohnt, zeigt der Hund das Verhalten erneut und ich belohne es wieder. Auf diese Weise zeigt er es immer häufiger und wird irgendwann zur Gewohnheit. Die Belohnung kann dann langsam reduziert bzw nur mehr selektiv gegeben werden. Das ist eigentlich sehr simpel, wirksam und fair. Und doch manchmal nicht so einfach umzusetzen. Denn es erfordert eine hohe Aufmerksamkeit, ein gutes Timing und etwas Fingerspitzengefühl von uns Menschen, vor allem, wenn der Hund sehr aufgeregt, an Umgebungsreizen bzw. den Gerüchen am Wegrand interessiert und/oder sehr quirlig ist.

Deshalb macht es Sinn, sich gerade bei diesem wichtigen Thema so bald wie möglich an eine kompetente Hundeschule zu wenden, die mit bedürfnisorientierten und wissenschaftlich fundierten Hundetraining vertraut ist, anstatt selbst herumzuprobieren und sich länger als nötig mit der Leinenführigkeit zu plagen. Und bis die zuverlässig klappt sollte der Hund ein gut sitzendes Geschirr tragen. Und wenn man auf Nummer sicher gehen will, auch noch danach. Denn die Gesundheit unserer Hunde liegt uns doch am Herzen, oder etwas nicht?