Autor: rosenheimdogs

Kommunizieren, Konditionieren … und so.

Immer wieder liest man von Hundetrainern, die behaupten, sie würden „körpersprachlich kommunizieren“  mit Hunden und Konditionierung ablehnen. Wenn man sie dann beim „Kommunizieren mit dem Hund sieht“, bemerkt man spätestens an der Reaktion des Hundes, wie sie tatsächlich arbeiten: mit Einschüchterung durch entsprechende Körpersprache.

Jedes MalDie Verwendung eines Markersignals ist meine bevorzugte Art der Kommunikation mit dem Hund. denke ich dann: Glaubt er/sie das tatsächlich selbst? Oder nutzt er/sie bewusst die Unwissenheit seiner Kunden? Ich fände es gleich schlimm. Denn ich erwarte von einem Trainer beides: Fachkompetenz und Ehrlichkeit.

Ich bin kein Hundetrainer. Beruflich begleiten mich die Themen Kommunikation und Lernverhalten jedoch seit vielen Jahren. Und als interessierter Hundehalter ergänze ich mein Wissen schon lange intensiv und regelmäßig durch Weiterbildung bei sorgfältig ausgewählten Hundetrainern und Verhaltensbiologen. Gerade letzte Woche durfte ich wieder ein Webinar-Schmankerl von Dr. Ute Blaschke-Berthold miterleben. Das hochspannende Thema war diesmal genau dieses: Konditionierung.

Ute vermittelte uns in diesem Webinar wie immer sehr anschaulich, welche Bedeutung Konditionierung im Alltag mit dem Hund und bei Training und Verhaltenstherapie hat. Hund und Mensch leben in verschiedenen Welten und haben unterschiedliche Kommunikationssysteme. Der Mensch kann die Kommunikation des Hundes nicht ausreichend gut nachahmen, der Hund die des Menschen noch weniger. Damit wir dem Hund vermittelt können, was wir von ihm wollen, müssen wir eine Kommunikationsbrücke bauen, ihm Signale beibringen, die er tatsächlich versteht. Und das geschieht über Lernen. Genauer gesagt über Konditionierung.

Pawlow, Skinner und die Lerngesetze begleitet uns – Mensch und Hund – immer. Ob wir wollen oder nicht. Ob es uns gerade bewusst ist, oder nicht. Auch das, was man in den Videos dieser angeblich „kommunizierenden anstatt konditionierenden“ Trainer sieht ist Lernen über Konditionierung. Die Videobeispiele zeigen häufig, wie der Hund körperlich gehemmt wird. Das wird dann als „Kommunikation“ oder manchmal auch als „Ausstrahlung/Energie“ beschrieben. Aber tatsächlich passiert genau das, was diese Trainer in ihrer Aussage ablehnen: Konditionierung. Es werden Angstauslöser genutzt, auf die der Hund instinktiv reagiert: z.B. tiefe Laute, raumforderndes Verhalten, starrer Blick, Zischlaute bis hin zu plötzlichen (schmerzhaften) Berührungen. Der Hund erfährt auf diese Art eine negative Konsequenz auf sein Verhalten und wenn diese Konsequenz schnell und stark genug war, wird er sein Verhalten ändern. Gelernt wurde … tataaaa … über Konditionierierung. Mit allen negativen Nebenwirkungen dieser Art der Konditionierung übrigens, die vermeidbar wären, wenn die „Lehrenden“ kreativ genug wären, das Verhalten ihres „Lernenden“ auf andere Art zu verändern – nämlich durch positive Verstärkung. Völlig ohne Nebenwirkungen.

Wenn wir wollen, dass der Hund sein Verhalten verändert und es ihm dabei gut geht, sollten wir uns – und damit meine ich jeden Hundemenschen, nicht nur Trainer – damit auseinandersetzen, wie das gelingen kann. Wird ein Hund überwiegend über negative Konsequenzen, Angstauslöser, aversive Reize „trainiert“, wird das Folgen für sein Vertrauen zum Menschen und vielleicht sogar für seine Gesundheit haben. Wenn man das nicht möchte, sollte man sich bewusst für einen freundlichen, bedürfnisorientierten Trainingsweg entscheiden und sich das dafür erforderliche Wissen aneignen. Konditionierung spielt dabei immer eine Rolle. Wenn sich ein Verhalten lohnt, wird es wieder gezeigt. Und dieser Weg ist viel eleganter und liebevoller, als Verhalten erst auftreten zu lassen und dann zu korrigieren.

Bei „Trainieren statt dominieren“ bin ich heute über diesen sehr informativen Guide für Positives Bestärkung gestolpert – geschrieben von der Hundetrainerin Sunny Bennett. Er endet mit den Schlussworten, die auch meinen Beitrag wunderbar abrunden:  Kooperieren statt Korrigieren.

Wer noch tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem empfehle ich das genannte Seminar „Konditionierung“ (und andere) von Dr. Ute Blaschke-Berthold, zu finden auf der Lern-Plattform „dog-ibox“.

Hund und Baby – wird das klappen?

Bild: Dr. Janey May, Dogs-Connection

Sie werden bald Mutter, Vater oder Großeltern und sind sich nicht sicher, ob das mit dem Familienhund so gut klappen wird, wie Sie hoffen? Sie hören viele gut gemeinte Ratschläge aus Ihrem Umfeld – aber funktionieren diese Tipps auch bei Ihnen und bei Ihrem Hund? Sie wünschen sich fachlich fundierte Informationen von jemanden, der auch persönliche Erfahrung mit Hund und Kind hat?

Es ist besser, sich im Vorfeld ein paar Gedanken darüber zu machen, welche Veränderungen das neue Familienmitglied für den Hund mit sich bringt, anstatt die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Am Montag, den 13. Mai 2019, 17:00 bis 19:00 Uhr im Geburtshaus Rosenheim haben Sie Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren, wie Sie sich und Ihren Hund gut auf die neue Situation vorbereiten können.

Dr. Janey May, selbst Mutter, Mehrhundehalterin und Tierärztin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie, vermittelt Ihnen wertvolle Informationen und Erfahrungen zu diesem wichtigen Thema und beantwortet Ihre Fragen. Dr. May ist außerdem Mitglied im Trainernetzwerk „Dogs & Storks – familiemithund“, das seit mehr als fünfzehn Jahren und auf vier Kontinenten für Familien mit Hund aktiv ist.


Der Vortrag bietet:

  • Antworten auf häufige Fragen von Schwangeren mit Hund
  • Checklisten für sinnvolle Vorbereitungsmaßnahmen während der Schwangerschaft und ebenso vor der Krabbelphase
  • Alltagstaugliche Lösungen für gängige Schwierigkeiten und Tipps für häufige Problempunkte zwischen Hund und Baby bzw. Krabbelkind
  • Tier- und babyfreundliche Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit
  • Anregungen, wie Sie Ihren Hund vorbereiten können, damit die neue Situation als Familie mit Kind und Hund möglichst reibungslos gelingt,
  • Die Möglichkeit, Fragen an die Vortragende zu stellen.

ANMELDUNG und weitere Infos über: www.familiemithund.info


Spaß beim Training. Für eine gute Mensch-Hund-Beziehung

Im letzten Jahr haben wir eine unserer Lieblingsübungen etwas vernachlässigt: Do As I Do. Oder kurz: DAID. Schade eigentlich, denn wir lieben das alle drei sehr. Es vereinfacht in vielen Situationen das Lernen neuer Dinge und wirkt sich ganz nebenbei positiv auf die Mensch-Hund-Beziehung aus. Es entsteht dabei etwas, was ich als „tieferes Verständnis“ beschreiben würde.

Wir haben tatsächlich auch schon wieder damit angefangen. Ganz spielerisch. Alle Beteiligten kannten die vor vielen Jahren streng nach Claudia Fugazza´s Protokoll eingeübten Signale „Pass auf“ (wenn ich die Aktion vormache) und „Do it“ (wenn die Hunde das Vorgemachte nachmachen sollen) noch. Und ein Ziel hatten wir auch: der Ball soll in den Korb.

Ivy ist ja bereits so etwas wie ein Profi im „Basketballspiel“. Clooney konnte ich diesen Sport bisher nicht näher bringen. Also versuchen wir’s doch mal mit ein wenig Do As I Do, dachte ich. So ganz verstanden hat er das Prinzip „Ball in den Korb“ aber noch nicht. Wir bleiben da aber dran. Und Spass hatte er auf jeden Fall. Es gab ja ziemlich viel Lob und einige Kekse für jeden guten Ansatz, auch wenn der Ball (noch) nicht im Korb gelandet ist. Und natürlich gab es auch diesmal wieder einen positiven Abschluss mit ein paar Aufgaben, die ihm leicht fallen.

Wer sich für „Do As I Do“ interessiert, dem empfehle ich das Buch von Claudia Fugazza, die dieses Konzept als Verhaltensforscherin im Team von Prof. Ádám Miklósi an der ELTE-Universität in Budapest erforscht und entwickelt hat:
Claudia Fugazza: „Do As I Do: Using Social Learning to Train Dogs“
Sie beschreibt darin ausführlich den wissenschaftlichen Hintergrund, welche Voraussetzungen das Mensch-Hund-Team mitbringen muss und wie man die erforderlichen Signale mit dem Hund sauber aufbaut.

Unsere Anfänge von „Do As I Do“ seht ihr meinen früheren Beiträgen. Ich wünsche Euch viel Spass beim Ausprobieren.

Ich wünsche mir mehr Wattebauschmenschen.

Wenn ich mit anderen Hundemenschen über modernes, freundliches, Hundetraining spreche, erlebe ich häufig ein ratloses Schulterzucken, verbunden mit der Frage: „Aber wie soll ich dem Hund denn mit Leckerlies seine Grenzen aufzeigen?“

Ganz einfach.

Indem man zuallererst aufhört an,  „Grenzen aufzeigen“ zu denken.

Ich formuliere es lieber so: „Regeln vermitteln“. Das schafft von vornherein schon eine ganz andere innere Haltung dem Hund gegenüber und bewirkt eine lösungsorientierten Denkhaltung. Denn dann überlege ich mir: Was will ich denn eigentlich? Was soll der Hund tun. Anstatt mir also zu wünschen, dass der Hund „keine Menschen anspringen soll“ oder „im Wald nicht außer Sicht abzischen soll“, formuliere ich für mich zum Beispiel: „Mein Hund soll bei der Begrüßung alle Pfoten am Boden lassen und dabei ruhig und freundlich mit der Rute wedeln.“ oder „er soll beim Waldspaziergang auf dem Weg bleiben.“ Und schon habe ich ein positives Bild im Kopf: wie das Verhalten aussieht, das der Hund in dieser Situation zeigen soll.

Klar. Damit ist mein Ziel noch nicht erreicht. Der nächste Schritt ergibt sich aber von selbst, wenn ich mich mit den Lerngesetzen auseinandergesetzt habe – was aus meiner Sicht jeder tun sollte, der Hunde oder andere fühlende Lebewesen trainiert bzw. „erzieht“: ich fördere und belohne das Verhalten, das ich mir wünsche. Ich „forme“ es mit Hilfe des  Markersignals. Das erfordert manchmal etwas Geduld und etwas Selbstreflexion. 😉 Aber es lohnt sich. Denn dass Training über ‚positive Strafe‘ im Sinne der Lerntheorie aus verschiedenen Gründen meist wenig hilfreich ist, sollte mittlerweile bekannt sein. Und was macht es eigentlich für einen Sinn, den Hund in ein unerwünschtes Verhalten rennen zu lassen, nur um ihn dafür zu strafen? Das erzeugt Stress bzw Frust und somit wird aufgeregtes bis „schlechtes Verhalten“ wieder gefördert. Wer das mag – bitteschön. Mir wäre das zu aufreibend und unvergnüglich und es entspricht in keiner Weise meinen Werten und Zielen. Und Strafe deckelt das Verhalten nur. Der Grund, weshalb es der Hund es gezeigt hat, bleibt bestehen. Langfristig kann also nur wirksam sein, den Hund einen anderen, besseren Umgang mit Reiz/Auslöser des Verhaltens zu vermitteln.

Es ist doch viel angenehmer für Mensch und Hund, gutes Verhalten zu fördern und zu belohnen. Das schafft eine positive Stimmung, baut Vertrauen auf und macht allen Beteiligten Spass. Und ist zielführend. Denn mit Spass lernt sich’s besser – das ist neurobiologisch abgesichert. Außerdem: „unerwünschtes Verhalten abstellen“ bedeutet doch nichts anderes, als ein neues Verhalten zu lernen, oder? Also ist es doch viel effizienter, gleich an diesem Punkt anzusetzen.

Wie das umgesetzt werden kann, beschreibt Claudia Paxmann-Wasmuth in einem interessanten Beitrag „Positiv Grenzen setzen – wie geht das?“ auf Hey-Fiffi.com. Sie schreibt: „…Wenn wir uns an die Gesetze des Lernens halten, ist diese Methode tatsächlich sehr einfach. Dem Hund wird das Leben innerhalb der für ihn festgelegten Grenzen so attraktiv gemacht, dass er von sich aus entscheidet, diese einzuhalten…“ 
Sie wählt den Begriff „Proaktiv Grenzen setzen“ – der mit alternativ auch gut gefällt. Sprich: ich handle als Mensch BEVOR der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt. Entweder durch Management oder durch positive Verstärkung des (in diesem Moment noch) erwünschten Verhaltens.

Wer nicht vertraut ist mit der Theorie des Lernens oder sein Wissen auffrischen/ergänzen möchte, dem möchte ich außerdem den Artikel „Positive Bestärkung – ein Guide“ der Hundetrainerin Sunny Benett und den Besuch einer guten, sorgfältig ausgewählten und ausschließlich positiv arbeitenden Hundeschule empfehlen. Denn das Wissen im Alltag umzusetzen ist nicht immer einfach, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Ich wünsche Euch eine fröhliche, entspannte Zeit mit Euren Hunden. Und lasst Euch nicht irritieren von Menschen, die Euch als „Wattebauschwerfer“ abwerten wollen. Sie wissen und können es im Moment einfach noch nicht besser. ❤

Was tun, wenn der Hund mal wieder „Chef sein will“?

Stur, dominant oder einfach unverstanden?

„Der ist heute aber mal wieder stur“. Hast Du Dir das auch schon mal gedacht wenn sich Dein Hund nicht so verhält, wie Du das gerne hättest? Oder hat Dir vielleicht jemand gesagt, Dein Hund möchte „der Chef sein“ oder Dein Hund sei „dominant“  – Du müsstest ihm nur mal zeigen, wer der Boss ist?

Solche Äußerungen beruhen auf einem veralteten Bild über Hunde. Sie sagen nur etwas über Wissenstand und/oder Einstellung des Menschen aus, die so etwas von sich geben. Nach allem was man heute weiß, halte ich es für ein Paradebeispiel für Vermenschlichung, dem Hund Machtstreben zu unterstellen.

Der Verhaltensbiologe und Leiter des ethologischen Instituts und des Family dog projects an der Universität Budapest, Ádám Miklósi schreibt dazu in seinem neusten Buch: „… Die Vorstellung, dass der Halter nur Anführer oder Gefolgsmann sein kann ist mit der Kooperation unvereinbar. Diese kann nur auf einer effektiven Bindung und einem von Vertrauen geprägten sozialen Umfeld aufbauen. … „ [1]

Wenn der Hund nicht tut, was man möchte, wäre es da nicht viel fairer und beziehungsstärkender, sich eine wohlwollende Haltung zu bewahren und der Sache auf den Grund zu gehen? Geht es dem Hund gut oder kann er aufgrund von Schmerz oder Stress nicht tun, was wir von ihn erwarten? Versteht er vielleicht nicht, was wir von ihm wollen?

Hund und Mensch kommunizieren sehr unterschiedlich, bevorzugen unterschiedliche Sinnesorgane, um Informationen über ihre Umwelt zu erhalten. Auch das, was dem Hund wichtig ist, unterscheidet sich in vielen Situationen, was sich zwangsweise auch darauf auswirkt, was er wahrnimmt.

Jeder, der schon einmal im fremdsprachigen Ausland war, sollte nachvollziehen können, wie schwierig die Kommunikation mit einem sprachlich und kulturell anders geprägten Menschen sein kann. Manchmal reicht sogar schon ein Ausflug in ein anderes Bundesland um kommunikationsbedingte Herausforderungen zu erleben. 😉
Und wir erwarten ernsthaft, dass unser Hund immer versteht, was wir von ihm wollen? Bevor wir ihn also als „lernunwillig“, „stur“ oder „dominant“ abstempeln – sollten wir uns an der eigenen Nase packen.

Wo liegt der Fehler? Haben wir uns für den Hund verständlich ausgedrückt? Versteht er, was unsere menschlichen Worte und Gesten bedeuten? Und welche Rolle spielt unsere Körpersprache bei der Kommunikation mit dem Körpersprachler Hund?

Einige Antworten auf diese Fragen und auf welche Feinheiten es bei der Mensch-Hund-Kommunikation ankommt, erfahren wir in diesem spontanen, sympathischen und sehr informativen Wohnzimmergespräch zwischen Sonja Meiburg und Carolin Hoffmann. Die beiden erfahrenen Hundetrainerinnen gehören der Initiative „Trainieren statt dominieren“ an, die für gewaltfreies Hundetraining auf Basis der neuesten verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnisse steht. So wie Hundetraining heutzutage sein sollte.
Hier geht’s zum Video: Kommunikation Mensch-Hund (Interview)

 

 

[1] Quelle: Ádám Miklósi: Der HUND. Geschichte, Biologie, Rassen. Haupt-Verlag Bern, 2018, S. 75